Hoffnungsstark – Umweltbildung gegen Ausgrenzung Jugendlicher

 
Kooperationspartner: 
 
 

Kurzbeschreibung

In engem Austausch mit Partnern aus der sozialen Arbeit insbesondere dem Verein Brücke Oberland e.V., tätig im Bereich Jugend- und Familienhilfen, wurden im Projekt die Programme „Tagwerk“ und „Draußen stark“ für sozial benachteiligte Kinder und Jugendliche entwickelt.

 

„Tagwerk“ richtet sich an straffällig gewordene Jugendliche zwischen 14 und 21 Jahren, die sich intensiv mit ihrer Tat beschäftigen anstatt Sozialstunden zu leisten oder in Arrest zu gehen. Gemeinsam etwas schaffen, die Umwelt aktiv gestalten und die sich ergebenden Themen pädagogisch und therapeutisch zu bearbeiten sind Kerninhalte des Projekts.

 

Das über ein ganzes Jahr laufende Programm ‚Draußen stark’ ist ein Angebot für Jungen im Alter zwischen 9 und 12 Jahren und hat präventiven Charakter. Das ‚stark-werden’ Draußen dient als Brücke dazu, auch in der Gesellschaft ‚stark‘ zu werden. Natur dient als Lernfeld: Lebensbejahende, sinnstiftende Erlebnisse ermöglichen eine positivere Wahrnehmung von sich und seinem Lebensumfeld und damit die Entstehung eines positiven Selbstkonzeptes.

 

In beiden Programmen wird der Umgang und das Erleben in der Natur dafür genutzt, den Teilnehmern Halt in ihrem Leben zu geben, zu aktivem Handeln zu motivieren und Perspektiven für ein nachhaltiges Leben zu entwickeln. Die für den Menschen passende Reizdichte einer vielfältigen Landschaft wird dafür genutzt, fern von vorgegebenen Konsumwelten und permanenter Anspruchshaltung die Teilnehmer zu öffnen für eine eigenständige Auseinandersetzung mit sich, der eigenen Lebensführung, dem Zusammenwirken mit Mitmenschen und Umwelt. In den Programmen werden dabei Methoden der Bildung für Nachhaltige Entwicklung kombiniert mit Arbeitsweisen aus der sozialen Arbeit. Die Durchführung erfolgt in engem Austausch der beiden Fachdisziplinen.

Mit den Ergebnissen dieses Projektes knüpft das Zentrum für Umwelt und Kultur am salesianischen Auftrag an, sich für benachteiligte junge Menschen einzusetzen und verbindet dies mit der Aufgabe, die Schöpfung zu bewahren.

Nach einer mehrjährigen erfolgreichen Durchführung und konzeptionellen Verfeinerung der Angebote werden derzeit Wege erprobt, die positiven Erfahrungen für eine Ausweitung auf andere Regionen insbesondere angrenzende Landkreise zu nutzen. Dazu fand eine regionale Fachtagung am 12.10.2010 statt. Am 24./25. Juli 2013 wird eine bundesweit ausgeschriebene Fachtagung mit dem Titel „Hoffnungsstark – Chancen und Wege der Zusammenarbeit zwischen sozialer Arbeit und Umweltbildung“ in Kooperation mit

dem Bayerischen Staatsministerium der Justiz, der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) und der Brücke Oberland e.V. organisiert. Ziel der Tagung ist es, die Projektergebnisse zu diskutieren und die Kooperation der verschiedenen Fachdisziplinen zu stärken.

 

 

Kooperationspartner: Brücke Oberland e.V.

 

Gefördert durch: Deutsche Bundesstiftung Umwelt (DBU)

 

 

Aktuelle Termine:

 

Hoffnungsstark – Chancen und Wege der Zusammenarbeit zwischen sozialer Arbeit und Umweltbildung

 

Fachtagung am 24./25. Juli 2013

 

In Kooperation mit

der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU),
dem Verein Brücke Oberland e.V.,
der Arbeitsgemeinschaft Natur- und Umweltbildung Bayern e.V. (ANU Bayern) und
der Katholischen Stiftungsfachhochschule München / Benediktbeuern

Nähere Informationen zu dieser Fachtagung: hier (bitte anklicken)

 

Ziele des Projektes

Ziel des Projektes ist es, sozial  benachteiligten Kindern und Jugendlichen Bildung für Nachhaltige Entwicklung zugänglich zu machen und diese als Zielgruppe für Angebote stärker ins Blickfeld zu rücken. Ein Dialog zwischen Akteuren der Bildung für Nachhaltige Entwicklung und Jugendsozialarbeit macht die speziellen Lebenswelten der Kinder und Jugendlichen und deren Bedürfnisse fassbar, um die entsprechenden Angebote danach ausrichten zu können. Die Ergebnisse dieses Dialogs münden in der Konzeption und Durchführung pädagogischer Maßnahmen, deren Erprobung und Weitervermittlung.

 

 

Projektgeschichte

Mit dem Ausgangsprojekt ‚Lust auf Naturerfahrung wecken – Freude am Leben entdecken’ initiierte das Zentrum für Umwelt und Kultur, gefördert durch die Deutsche Bundesstiftung Umwelt, erstmalig 2007 den konkreten Austausch und die gezielte Zusammenarbeit mit Einrichtungen der Jugendhilfe. Projektauftakt bildete eine bundesweit ausgeschriebene Fachtagung, die Experten aus jenen Domänen zusammenführte, die an der Entwicklung tragfähiger Bildungskonzepte und Praxisentwicklungen für die Zielgruppe der sozial benachteiligten Kinder und Jugendlichen mitwirken können. Ausgehend von dieser Fachtagung wurde ein „Runder Tisch“ aus Vertretern der Jugendsozialarbeit sowie der Umweltbildung geschaffen. Im Rahmen dieser Treffen sowie darüber hinausgehender Arbeitstreffen wurden zwei Programme für unterschiedliche Zielgruppen konzipiert. Diese Programme wurden in der Praxis erprobt.

Aufbauend auf der erfolgreichen Praxiserprobung der Programme wurde im Folgeprojekt „Hoffnungsstark – Umweltbildung gegen Ausgrenzung Jugendlicher“ der Schwerpunkt auf die konzeptionelle Optimierung der Programme, deren weitere Praxiserprobung sowie eine Ausweitung des Angebots auf andere Landkreise und die Weitervermittlung der Erfahrungen gelegt. Hierfür wurde ein regional orientierter Fachtag mit Vertretern aus Politik, Justiz, Sozialarbeit, Naturschutz und Umweltbildung organisiert und das Konzept ‚tagwerk‘ vorgestellt und diskutiert. Ziel dabei war, das Programm bekannt zu machen und erste Netzwerke für eine Umsetzung in anderen Landkreisen zu knüpfen.

Daneben wurden sowohl ‚tagwerk’ als auch das das Programm  ‚Draußen stark’ konzeptionell optimiert und in weiteren Durchgängen erprobt. Im Rahmen einer Bachelorarbeit wird derzeit ‚tagwerk’ evaluiert.

 

Dialog Bildung für Nachhaltige Entwicklung und Soziale Arbeit

Wie und warum sollte Umweltbildung mit sozialer Arbeit verknüpft werden? Entscheidend ist hierfür aus unserer Sicht die Weiterentwicklung und Erweiterung der Umweltbildung hin zu Bildung für Nachhaltige Entwicklung. Wichtiges Ziel einer Bildung für Nachhaltige Entwicklung  ist die Förderung verschiedener Schlüsselkompetenzen, die es den Menschen ermöglichen, ihr Leben für sich, die lokale wie globale Bevölkerung sowie nachfolgende Generationen zukunftsfähig zu gestalten. Die Basis dieser Gestaltung ist eine ökologische, soziale sowie ökonomische Tragfähigkeit, nicht nur für die aktuelle Generation, sondern auch für nachfolgende Generationen.

Eine entscheidende Rolle spielt dabei die Gestaltungskompetenz, die in mehrere Teilkompetenzen wie eigenständiges Handeln, das Interagieren in heterogenen Gruppen sowie die interaktive Anwendung von Kommunikationstechniken untergliedert wird. (Vgl.  http://www.bne-portal.de/coremedia/generator/unesco/de/02__UN-Dekade_20BNE/01__Was_20ist_20BNE/Gestaltungskompetenz.html).

  

In der Arbeit mit sozial benachteiligten Kindern und Jugendlichen stellt die Förderung von Gestaltungskompetenz einen wesentlichen Schritt dar, um dieser Zielgruppe eine aktive und selbstbestimmte Teilhabe in der Gesellschaft zu ermöglichen. Die erste  Herausforderung stellt dabei der Aufbruch zu einer selbstbestimmten, gelungenen Lebensführung trotz einer ökonomisch sowie sozial schwierigen Ausgangsbasis, die nicht zuletzt zu seelischen wie körperlichen Beeinträchtigungen führt, dar. Inwieweit der Weg der Kinder und Jugendlichen, die Gewalt und soziale Ausgrenzung erleben und teilweise auch selbst ausüben, hin zu einem nachhaltigen Lebensstil weiter ist, als der Weg „klassischer Wohlstandskinder“, sei als Frage in den Raum gestellt.

Ziel einer Bildung für Nachhaltige Entwicklung muss es sein, auch Gruppen aus den gesellschaftlichen Randbereichen einzubeziehen, um dem Anspruch einer ökologischen, sozialen und ökonomischen Nachhaltigkeit und damit einer zukunftsfähigen Gesellschaft gerecht zu werden. Zumal diese für Deutschland gesellschaftliche Randgruppe weltweit zahlenmäßig einen Großteil der Gesellschaft darstellt.

 

In diesem Kontext erscheint die Ermöglichung des Erwerbs der genannten Kompetenzen als etwas, auf das alle Kinder und Jugendlichen ein Recht haben sollten. Gerade die Methoden der Bildung für Nachhaltigen Entwicklung bieten in ihrer Vielfalt und Bandbreite ein ideales Spektrum dazu, die Kompetenzen und Fähigkeiten und damit auch das Selbstwertgefühl der Teilnehmer zu stärken, um sie dafür zu stärken ihren eigenen zukunftsfähigen Weg in einer nachhaltigen Gesellschaft zu finden.

 

 

Pädagogische Konzepte (tagwerk, Draußen stark)

Tagwerk – Anpacken, schaffen

Das Programm ‚tagwerk’ wurde für straffällig gewordene Jugendliche entwickelt, die bei ihrer Verurteilung kurz vor einem Arrest stehen und anstelle einer sehr hohen Sozialdienststundenauflage zu ‚tagwerk’ verurteilt werden. Die Maßnahme wurde von  dem gemeinnützigen Verein Brücke Oberland e.V. und dem ZUK  in Kooperation mit den Jugendgerichtshilfen und Amtsgerichten Bad Tölz und Weilheim-Schongau , sowie der Staatsanwaltschaft München abgestimmt. Tagwerk‘ setzt sich zusammen aus einer Einführungsveranstaltung zu der die Teilnehmer gemeinsam mit ihren Eltern eingeladen sind, einem Kick-Off Tag zum Kennenlernen, einer fünftägigen Projektwoche sowie sozialen Gruppenstunden. Kernstück des Programms ist die fünftägige Projektwoche, innerhalb der die Jugendlichen in einem Naturschutzprojekt in den Loisach-Kochelsee-Mooren und angrenzender Regionen tätig sind. Die Kooperation mit dem Verein Brücke Oberland, einer Organisation mit umfangreicher Erfahrung in der Arbeit mit straffälligen Jugendlichen, stellt dabei eine wesentliche Ergänzung zu den umweltpädagogischen und naturschutzfachlichen Erfahrungen des Zentrums für Umwelt und Kultur dar.

Im Programm ‚tagwerk’ dienen die Erfahrungen in der Natur als Grundlage für die Auseinandersetzung mit den eigenen Lebenszusammenhängen. Über die anstrengende körperliche Arbeit sollen die Teilnehmer die eigene Leistungsfähigkeit und den Nutzen von Teamwork entdecken. Ziel ist es, das Vertrauen der Teilnehmer in ihre eigenen Fähigkeiten zu stärken sowie den essentiellen Nutzen einer funktionierenden Gemeinschaft aufzuzeigen. Die Botschaft lautet: Was du im Rahmen des Projektes schaffst, ist auch im wirklichen Leben möglich. Die in der Projektwoche durchgeführten Arbeiten sollen den Teilnehmern ermöglichen, sämtliche zur Fertigstellung des Projektes notwendigen Arbeitsschritte kennen zu lernen und die dazu notwendigen Fertigkeiten zu gewinnen. Ergänzt werden die Arbeiten durch Programmpunkte, die über die Hintergründe der Arbeit informieren und die Naturschutzmaßnahmen in einen Sinnzusammenhang stellen.

Über Gruppen - Feedback und Einbindung der Eltern wird die Umsetzung konkreter individueller Ziele gefordert und gefördert, damit die angestrebte Veränderung im Leben der Teilnehmer ankommt. Während der gesamten Programmdauer besteht sowohl für die Teilnehmer, deren Eltern, als auch die Referenten die Möglichkeit über Elternarbeit situationsbedingt direkt mit den Familien zu arbeiten. Die sechs teilnehmenden Jungen werden von zwei sozialpädagogischen Fachkräften betreut, die verschiedenen handwerklichen Arbeiten werden durch Fachpersonal angeleitet.

 

Draußen stark - Konzeption

Draußen stark hat präventiven Charakter und richtet sich an Jungen im Alter zwischen 9 und 12 (13) Jahren, die sich in einer schwierigen Lebensphase befinden, die sehr unterschiedliche Ursachen haben kann. Sozial benachteiligt wird also nicht finanziell, sondern vielmehr entsprechend spezieller Lebenssituationen eines Kindes definiert. Voraussetzung für die Teilnahme ist die Motivation der Jungen, sich langfristig auf Neues einzulassen und auch Ungewöhnliches auszuprobieren. Die Jungen werden insgesamt ein Jahr lang durch sozialpädagogisches Personal begleitet. Das Programm umfasst eine Einführungsveranstaltung, sechs Wochenenden, sowie eine Zwischenpräsentation und eine Abschlusspräsentation. Einführung und Präsentationen finden gemeinsam mit den Eltern statt.  Ziel des Programms ist es, mit ungewöhnlichen und ‚starken‘ Aktionen draußen in der Natur sowie vielfältigen Methoden der Bildung für Nachhaltige Entwicklung den Teilnehmern Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen sowie Struktur und Orientierung zu geben. Über aktive, spannende und zum täglichen Medienkonsum alternative Tätigkeiten lernen die Teilnehmer Möglichkeiten für eine eigene aktive Lebensgestaltung kennen. Das Programm wird in Zusammenarbeit mit der Brücke Oberland e.V. durchgeführt und ist mit Jugendamt sowie verschiedenen freien Trägern der Jugendsozialarbeit abgestimmt.

 

 

 

 

Projektdaten und Ansprechpartner:

 

Projektträger:  Zentrum für Umwelt und Kultur Benediktbeuern e.V.

 

Projektleitung:  Doris Linke, Dipl. Ing. Landschaftsarchitektur und Landschaftsplanung (Univ.)

 

Kooperationspartner:  Brücke Oberland e.V.

 

 

Projektbeginn:

  • 21.3.2007 (Lust auf Naturerfahrung wecken – Freude am Leben entdecken)

  • 18.03.2010 (Hoffnungsstark – Umweltbildung gegen Ausgrenzung Jugendlicher)

 

Gefördert durch:

  • Deutsche Bundesstiftung Umwelt (2007 – 2013)

  • Bayerisches Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit (2009)

  • Allianz Umweltstiftung (seit 2014)

Auch Sie können sich mit einer Spende an diesem Projekt beteiligen.

Herzlichen Dank.

 

Veröffentlichungen:

Doris Linke, Oliver I. Hoffmann & Matthias Fischer (2013): Hoffnungsstark - Umweltbildung gegen Ausgrenzung von Kindern und Jugendlichen (Download). In: ANLiegen Natur 35/2 (2013), Zeitschrift für Naturschutz und angewandte Landschaftsökologie, Bayerische Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege (ANL)