Handstickerei-Ausstellung "COWandMORE"
Ein Zusammenarbeits-Projekt zwischen der Deutsch-Afghanischen Initiative, MADEIRA GARNE, BERNINA international AG und der Patchwork Gilde Deutschland

Diese Wanderausstellung zeigt in einem Wettbewerb ausgewählte Handstickereien afghanischer Frauen.

Laghmani, eine Dorfsammlung etwa 60 km nördlich von Kabul, liegt in der Shomali-Ebene der Provinz Parwan in Afghanistan. Dort sticken seit dem Jahr 2004 im Rahmen des Stickprogramms Gudulsi rund 200 Frauen (zwischen 16 und 50 Jahre alt) Unikate mit der Hand. Die Entwicklung der Stickereien ist beeindruckend. Die Stickerinnen haben sich das Handsticken wieder angeeignet, spielen mit Farben und lassen ihrer Fantasie freien Lauf. Sie erfinden ihre Muster selbst.

Warum Kühe?

Bei den Besuchen seit 15 Jahren in den afghanischen Dörfern kann man zwei große Fortschritte feststellen: die Väter haben verstanden, dass nicht nur die Söhne, sondern auch ihre Mädchen zur Schule gehen müssen. Der zweite sichtbare Fortschritt sind die Kühe. Vor über 10 Jahren hat man nur selten eine Kuh in einem Hof gesehen. Heutzutage sind sie nicht mehr rar und viele Stickerinnen können sich inzwischen – wenn auch nicht jedes Jahr – eine Kuh kaufen.

Überwiegend wird dabei die folgende Strategie gewählt: Man schafft sich das wertvolle Tier am Ende des Winters an, um es vor dem nächsten Winter wieder zu verkaufen. Warum? Weil die Kleinbauern nicht die Möglichkeit haben, sich Vorräte an Heu anzulegen. Wenn sie überhaupt ein Tier anschaffen können, dann ist es eine einzige Kuh. Die Situation ist nicht vergleichbar mit hiesigen Ställen, in denen sich Dutzende, gar Hunderte von Tieren gegenseitig aufwärmen können. Im afghanischen Winter würde ein einziges Tier in seinem Verschlag leicht erfrieren.

Sicher sind die Preise beim Kauf einer Kuh hoch und beim Verkaufen nicht günstig. Dennoch gibt eine Kuh viel: die Milch wird sofort zu Jogurt verarbeitet, um sie bei der vorherrschenden Wärme ohne Kühlschrank haltbar zu machen. Auch Sahne wird abgeschöpft und verkauft. Und in seltenen Fällen, wenn ein Abnehmer es wünscht, wird auch Butter geschlagen.

Als Nebenprodukt hierzulande noch weniger bekannt sind die wertvollen patis.  Dabei handelt es sich um Kuhfladen, die gesammelt werden und als Scheibe in der Sonne trocknen, um dann als Brennmaterial zum Kochen zu dienen. Große Vorräte werden davon angelegt, da Holz rar ist. Und dann gibt es die Kuh, die ein Kalb bekommt, was fast einer 6 im Lotto entspricht. Allerdings ist so ein Tier beim Kauf auch entsprechend teuer.

Pascale Goldenberg, Initiatorin und Betreuerin des Stickprogramms bei der Deutsch-Afghanischen Initiative e.V. (DAI), bat die Stickerinnen, Kühe zu sticken, nicht im Quadrat (wie sonst üblich), sondern „auf der Wiese“. Die 200 Stickerinnen wurden für diese Sonderarbeit unter Berücksichtigung der Ausmaße und der Qualität der Stickerei bezahlt.

Nach dem ersten Versuch ging es weiter und in einem zweiten Verfahren wurden die Stickerinnen, die eine besonders attraktive Kuh produziert hatten, beauftragt, weitere Kühe zu sticken, weiterhin Unikate. Die Ergebnisse sind unterschiedlich, aber immer spannend und originell: kleine und große Kühe, schwarz-weiße und kunterbunte Exemplare, Kühe bei der Fütterung und beim Melken und einige mit einem Kalb im Bauch.

Ein Zeichen der Solidarität:

Die geleistete kreative Weiterverarbeitung einer gestickten Kuh ist als konkretes Zeichen der Solidarität mit diesen Frauen auf den afghanischen Dörfern zu verstehen sowie als Anerkennung von Fortschritten in der Entwicklung. Ohne zu vergessen, dass das Land sich noch im Krieg befindet, wird damit etwas Konkretes gegen die übliche immer wiederkehrende Aussage „In Afghanistan wird es nicht besser“ unternommen. Die Ausstellung COWandMORE wird an vielen Orten gezeigt und ein Podium bilden, das beweist, dass Menschen, die aus verschiedenen Kulturen kommen, gut zusammenarbeiten können.

Bedingungen für die Teilnahme an "COWandMORE" waren:

Das Projekt war für jeden aus der EU und Schweiz offen. Bis zu 50 Werke könnten angenommen werden. Gemeinschaftswerke wurden angenommen. Jede Arbeit soll eine gestickte Kuh aus Afghanistan mit in das Werk integrieren.

Das Format ist vorgegeben: 30 x 70 cm im Hoch- oder Querformat.

Alle textilen Techniken waren erlaubt, mit der Hand oder maschinell gearbeitet. Die Stickerei war als Ausgangspunkt der Inspiration zu verstehen.

Der Titel der Ausstellung COWandMORE sollte keine thematische Festlegung sein, denn die Interpretation des Titels erlaubt vielfältige Gestaltungsmöglichkeiten.

Weitere Informationen zum Stickprogramm Gudulsi: www.Guldusi.com, ein Programm der Deutsch-Afghanische Initiative e.V. aus Freiburg

Organisatorisches
Datum:
Do 17.09. - So 25.10.
Zeit:
täglich 9 - 17 Uhr
Ort:
Flur der ZUK-Erwachsenenbildung (Maierhof, 1. Stock im Mittelrisalit)
Kosten:
Eintritt frei