Landwirtschaft und Naturschutz Hand in Hand – Landschaftspflegehöfe

Dieses Projekt wurde vom ZUK initiiert und wird jetzt von drei Landschaftspflegehöfen in eigener Regie weitergeführt:
Die Regeneration und Pflege von Streuwiesen. Einst gehörten die Streuwiesen zu den häufigsten und zugleich artenreichsten Lebensräumen im bayerischen Voralpenraum. Es sind Wiesen auf sumpfigen Böden, die nur einmal im Jahr (im Herbst) oder nur alle zwei bis drei Jahre gemäht werden. Das Mahdgut diente in den Gebieten ohne Getreideanbau im Stall als Einstreu. Das Überleben vieler Pflanzen- und Tierarten hängt von dieser traditionellen Bewirtschaftung ab. Wiesenbrütende Vögel und lichtbedürftige Pflanzen wie Orchideen und Enzian finden auf den Streuwiesen optimale Bedingungen.

Durch die Modernisierung der Ställe wurde keine Einstreu mehr benötigt. Die Streuwiesen verloren ihre wirtschaftliche Bedeut-ung und wurden zu Futterwiesen umgewandelt, fielen brach oder wurden aufgeforstet. In Bayern sind nur noch 2 % der ehemaligen Streuwiesen in gutem Zustand erhalten.
Streuwiesen und ihre reiche Artenausstattung können nur existieren, wenn die traditionelle Herbstmahd fortgeführt wird. Dies ist aber nur sinnvoll und wirtschaftlich, wenn die Pflegemaßnahmen in die regulären landwirtschaftlichen Stoff- und Wirtschaftskreisläufe eingebunden sind und das Mahdgut wieder als Stalleinstreu genutzt wird.
Zur nachhaltigen Nutzung der Streuwiesen entwickelte das ZUK zusammen mit ortsansässigen Landwirten das Modellprojekt "Landschaftspflegehöfe".
Familie Sindlhauser in Benediktbeuern, Familie Lautenbacher in Ort bei Kochel und Familie Schlögel in Sindelsdorf arbeiten an diesem Projekt mit. Seit 1992 nahmen sie als Eigentümer oder Pächter im Loisach-Kochelsee-Moor insgesamt über 160 ha Streuwiesen wieder in Pflege. Sie fällten Bäume, entbuschten und mühten sich mit der Mahd hoher Bulten ab. Die anschließende Pflege war bei diesem Modellprojekt des Bayerischen Umweltministeriums zunächst durch langfristige Verträge mit den drei neu eingerichteten Landschaftspflegehöfen gesichert. In der Zwischenzeit wurden diese Verträge in das Bayerische Vertragsnaturschutzprogramm überführt, einzelne Flächen werden über das Landschaftspflegeprogramm gemäht. Die Wiesen werden regelmäßig gemäht und das Mahdgut zur Einstreu verwendet.

Auf diesen ökologisch bewirtschafteten Höfen wurden moderne und zur Streuverwertung geeignete Laufställe gebaut, in denen das Vieh nicht angebunden ist, sondern frei auf einer weichen Streumatratze herumlaufen kann. In den Ställen ersetzen weitgehend automatische Einstreu- und Entmistungsanlagen die Handarbeit. Die Rinder entwickeln sich in artgerechter Haltung besser und sind weniger krankheitsanfällig.
                   
Jeder Bauer benötigt für die Einstreu jährlich die Mahd von ca. 30 ha Streuwiesen. Aus ökologischer Sicht müssen die Wiesen nicht jedes Jahr gemäht werden, deshalb wird ein einfaches Wechselmahdsytem praktiziert. Je nach Aufwuchs und Witterung wird eine Streuwiese nur alle 2 - 3 Jahre gemäht.
In Brachstreifen verbleiben Lebensräume für seltene Pflanzen- und Tierarten. Auf den empfindlichen Böden werden Spezialmaschinen eingesetzt. Internationale Anerkennung erhielt das Modellprojekt "Landschaftspflegehof" 1998:
Für seine Erfolge im Arten- und Biotopschutz und für die Bewahrung des kulturellen Erbes wurde es mit dem 1. Preis der "Henry Ford European Conservation Awards" ausgezeichnet.