Filz? Na klar! – Hochmoorrenaturierung

Weitere Einsatzbereiche des ZUK-Naturschutzbüros sind die Hochmoore, auf Bayerisch "Filz", vorwiegend auf Flächen des Staatsforstes. Als "Hochmoor" bezeichnet man einen Moortyp, der ausschließlich durch Regenwasser gespeist wird und in der Mitte baumfrei ist. Das Wasser ist etwas bräunlich gefärbt, aber klar, sehr sauerstoffarm und sauer. In diesem Milieu können abgestorbene Pflanzen nicht von Mikroorganismen zersetzt werden. Mit der Zeit sammelt sich immer mehr Biomasse an und bildet den Torf. Die Mitte wölbt sich wie ein Uhrglas über die Umgebung und hat keinen Kontakt mehr zum Grundwasser. Hochmoore können sich nur in Regionen mit hohem Niederschlag entwickeln, bei uns beispielsweise im Voralpenland oder in der nordwestdeutschen Tiefebene.

Im Hochmoor leben viele, inzwischen selten gewordene Tier- und Pflanzenarten, die an die Nährstoff- und Mineralarmut angepasst sind, wie der Fleisch fressende Sonnentau, der sich seine Nährstoffe in Form von Insekten mit Klebfallen "fängt". Die Torfmoose gehören zu den wichtigsten Torf bildenden Pflanzen. Sie können das Zwanzigfache ihres Gewichts an Wasser speichern. Auch Latsche, Moosbeere, Rosmarinheide und Wollgras sind hier beheimatet.

Seit dem 19. Jahrhundert wurde versucht, die Moore landwirtschaftlich zu nutzen - als Lieferanten für Brennstoff und Blumenerde oder als Bauland. Dazu wurden Entwässerungsgräben durch die Filze gezogen, die noch heute wirksam sind. Damit wurde der Wasserhaushalt gestört, Heidekraut und Gehölze konnten sich ausbreiten. Mit fortschreitender Entwässerung verliert ein Hochmoor seine Bedeutung als Wasserspeicher und Lebensraum für seltene Arten.
Etwa 90% aller bayerischen Moore gelten heute als zerstört.
Erst jetzt besinnt man sich wieder der hohen Kapazität der Moore, das Treibhausgas CO2 zu binden und Hochwässer auszugleichen. Die Renaturierung der Moore ist ein wichtiger Baustein zu einem ganzheitlichen Konzept für Klima- und Naturschutz sowie zur Aufnahme und langfristigen Speicherung hoher Niederschlagsmengen..

Deshalb fördert das Bayerische Umweltministerium die Renaturierungsmaßnahmen.
Um die hochmoortypischen Lebensräume vor weiterer Zerstörung zu schützen, muss zuerst der Wasserhaushalt normalisiert werden. Hierzu werden Dämme in die noch wirksamen Entwässerungsgräben eingebaut. Damit wird Wasser angestaut und der Torf vor Luftzutritt und weiterer Zersetzung geschützt.

Das ZUK-Naturschutzbüro initiierte unter anderem die erfolgreiche Renaturierung des Loisachfilzes (50 ha), des Mühleckerfilzes (124ha) und des Sindelbachfilzes (100 ha), an der Sanierung des Mondscheinfilzes wird noch gearbeitet.
Diese vier Hochmoore liegen zwischen dem Autobahnabschnitt Sindelsdorf - Großweil und der Loisach. Nach der Wiedervernässung haben sich die Populationen vieler rarer Arten wie beispielsweise des Sonnentaus und seltener Libellen wieder erhöht.

Beispielhaft für Deutschland ist die Zusammenarbeit in der Lenkungsgruppe ‚Tölzer Moorachse’ und ihre Vorgehensstrategie. Sie vereint alle wichtigen Interessensgruppen und Fachbehörden. Als Besonderheit beteiligen sich erstmals auch ein Landkreis mit dem Landrat und der bayerische Bauernverband direkt an einem zukunftsweisenden Großprojekt: der Renaturierung und dem Verbund der verbliebenen Moorkerne des Landkreises Bad Tölz-Wolfratshausen. Die Lenkungsgruppe wählt gemeinsam die Projekte aus, stimmt sie mit den Grundeigentümern ab und stellt sie der Öffentlichkeit vor.